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Improvisieren in Kurven - nützliche Tipps
Nicht nur die Hinweise von Profis können für das eigene richtige Fahrverhalten auf der Straße wichtig sein. Auch gestandene Motorradpiloten aus der Schweiz haben wichtige Ratschläge, die wir gut finden und sie deshalb an dieser Stelle ungekürzt hier präsentieren wollen:
 
Nicht immer hält sich die Realität ans Bild, das wir uns von ihr machen. Das kann für Motorradfahrer in Schräglage heikel sein. Gefordert ist dann die gekonnte Improvisation.
 
Irgendwann hat’s wohl jeder Biker, jede Bikerin schon erlebt: die Kurve, die sich in der Anfahrt so viel versprechend vor einem auftat, hielt ihre Versprechen nicht ganz. Schmutz liegt auf der Ideallinie, Gullydeckel machen Sorgen oder - ganz gemein - die Kurve verengt sich. Man bremst ein wenig, man lenkt so gut es geht, sieht auf der Tangentiale den Baum, den man unbedingt nicht treffen will, und irgendwie kriegt man die Kurve gerade noch auf der weißen Markierung. Ist das Herzrasen wieder vorbei, kommt es zur internen Analyse: Man war wohl zu schnell unterwegs. Mäßigen wir uns also, und alles wird künftig gut.
 
Einfach nur das Tempo zu drosseln, muss nicht immer selig machend sein. Vielleicht haben wir nur schlecht reagiert. Überraschungen kann es schließlich immer geben. Überhaupt, viele von uns wollen ja mit einem gewissen Engagement in Schräglage stechen. Da ärgert man sich, dass man eine Kurve „versiebt“ hat, weil man sie viel zu langsam anfuhr.
 
Es ist paradox. Wir suchen die sichere Herausforderung. Nur wenn wir den Bogen – für unser Können und unser Selbstbild – optimal fahren, sind wir wirklich zufrieden.

Antizipieren
Zügiges Kurvenfegen bedingt grundsätzlich dieselben Tugenden wie jegliches Mittun im Straßenverkehr: Man muss antizipieren. Das Auge „scannt“ weit voraus die verfügbaren Indizien, die Auskunft über Kurvenverlauf, Fahrbahnbeschaffenheit etc. geben.
 
Für die eigentliche Kurvenfahrt wird vorab von Fahrlehrern ein runder Fahrstil gelehrt, den man auch als klassisch bezeichnen kann. Vor dem Umlegen der Maschine das Bremsen und Herunterschalten abschließen, mit Konstantgas in die Kurve hinein und dann ans Gas, wenn der Kurvenausgang sichtbar wird, mithin Gewissheit über die zu fahrende Linie besteht.
 
Diese Fahrweise bewährt sich besonders mit Motorrädern etwas älteren Jahrgangs und nur durchschnittlichen Fahrwerken. Denn diese Bikes quittieren härtere Manöver oder den Wechsel von der Bremse ans Gas mit deutlichen Unruhen oder gar Gripverlust.

Hineinstechen
Routinierte und sportliche Fahrer, teils in Fahrtrainings auf abgesperrter Piste gestählt und ausgerüstet mit stabilen Maschinen neuer Bauart, bremsen hingegen gerne auch in die Kurve hinein. Das erlaubt spätere Bremspunkte, kann sich aber zugunsten der Fahrsicherheit auswirken.
 
Wer bereits leicht am Bremshebel zieht, wird im Fall von Korrekturen schneller und besser dosiert noch eine Prise stärker bremsen als jener Fahrer, der erst vom Rollen auf Bremsen umstellen muss. Außerdem überrascht das Aufstellmoment beim Verzögern in Schräglage weniger. Dieser forcierte Fahr- und Bremsstil empfiehlt sich aber nur dem, der das subtile Spiel der rechten Hand mit Bremse und Gasgriff wirklich verinnerlicht hat.

Legen
Was aber, wenn trotz guten Stils und weiter Voraussicht Korrekturen in Schräglage nötig sind? Dazu gibt’s ein Motto und zwei Strategien.
Das Motto: Nicht überreagieren! Liegen ein paar Kieselsteine auf der Straße oder hat sie eine 3-cm-Bitumenwulst, muss man nicht gleich zur Notfallprozedur übergehen. Lieber ohne zu bremsen und Gas zu geben darüber rollen und sich von Minirutschern nicht verängstigen lassen. Wer nicht schon am Griplimit unterwegs ist, übersteht solches schadlos. Meist fängt sich das Motorrad von selbst wieder, wenn der Pilot nur nicht am Lenker reißt.
 
Ist aber eine Kurskorrektur unabdingbar, gilt erst mal Strategie eins:
Legen, legen. Moderne Reifen vertragen mehr Schräglage als die meisten Piloten in ihrem Kopf. Das Problem ist, dass dies die meisten von uns zwar wissen, es im Schreck aber kaum umsetzen können. Deshalb sind Fahrerlehrgänge oder Übungen auf einem abgesperrten Parkplatz sehr zu empfehlen! Um sich ein Bild davon zu machen, was auf gutem Asphalt an Schräglage gefahrlos möglich ist, dient der Strich mit der Kreide: Man markiert an einer Stelle den Pneu von Flanke zu Flanke, fährt ein paar Runden und guckt, wie viel Kreide außen noch übrig ist. Gut ist zudem, sich in der Übung beizubringen, von einer Schräglage auf (inneres oder äußeres) Kommando in mehr Schräglage zu wechseln.
 
Oder doch bremsen? Gelingt es nicht, das Hindernis mit mehr Schräglage innen zu umfahren oder die sich zuziehende Kurve zu meistern, kommt man um eine Temporeduktion nicht herum. Nun gilt die Devise, zwar schnell und entschlossen zu handeln, Vollbremsungen aber zu vermeiden. Anderseits unterschätzen wir meist, wie viel Bremsleistung die Reifen in normaler Straßenfahrt-Schräglage noch übertragen können.
 
Auch dies lässt sich letztendlich nur mit Übungen „er-fahren“. Training hilft auch zu erspüren, wie stark das eigene Motorrad mit Aufstellmoment reagiert und wie man gegenlenkt. Es hilft nämlich wenig, gut zu bremsen, dafür aber bolzengerade in die Botanik oder den Gegenverkehr zu rauschen. Um den Kurvenausgang trotz Bremsung zu finden, gilt eine weitere goldene Regel: Blick weit voraus, nicht vors Vorderrad!

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