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| Text und Fotos: Joe Pichler |
Oft sind es nur wenige Kilometer vom Strand ins Gebirge – so steil steigt die kroatische Küste aus der Adria auf. Während über den malerischen Orten am Meer die Sommerhitze brütet, sorgt über den weitläufigen Berglandschaften ein Lüftchen für Kühlung, das sich auch mal zu Sturmstärke auswachsen kann. Und was das Schönste ist: traumhaft kurvige Strassen verbinden diese beiden Facetten des Urlaubslandes.
Kroatien, eine Reise in den Süden
Mit dem Wintereinbruch Mitte Mai in Salzburg habe ich eigentlich gerechnet. Aber die Abreise nach Kroatien wird natürlich nicht mehr verschoben. Die Straße über den Tauern ist Gott sei Dank schneefrei und bei eisigen Temperaturen geht es durch eine traumhafte Winterlandschaft Richtung Süden. Erst südlich vom Katschberg werden die Temperaturen motorradfreundlicher und die dicken Winterhandschuhe verschwinden im Gepäck. Beim ersten Capuccino in Kranska Gora werden auch noch die dicken Pullover ausgezogen und einer Weiterreise in den sonnigen Süden steht nun nichts mehr im Wege. Auf den mit groben Kopfsteinpflaster ausgelegten Kehren des Vršič Passes fahren wir in die faszinierende Bergwelt des Triglav-Gebirges. Die Aussicht auf die verschneiten Felsgipfeln ist atemberaubend.
Entlang der glasklaren Soča geht es nach Tolmin. Zum Mittagessen wird eine gegrillte Bachforelle bestellt und gut gestärkt brechen wir Richtung Kroatien auf. Wir, das sind meine Frau Renate und ich, auf einer KTM 950 Adventure. Die problemlose Einreise nach Kroatien erfolgt über den kleinen Grenzübergang Prezid. Die kurvige Landstraße ist in einem guten Zustand und lädt zu einer flotten Fahrweise ein. Doch die 950 Adventure will natürlich nicht nur auf Asphalt bewegt werden. Ein Wegweiser in der kleinen Ortschaft Gerevo zeigt Richtung Risnjak Nationalpark. Ein Netz von Schotterwegen durchzieht dieses stark bewaldete Gebirge. Da auf meiner Karte nur die Hauptstrecke eingezeichnet ist verfahren wir uns des öfteren, finden schlussendlich aber doch den richtigen Weg nach Gornje.
Ein Besuch des Plitvička Jezera steht auf dem Programm. Für einige Stunden tauchen wir in eine andere Welt ein. Kein Verkehrslärm stört die Stimmung. Die Schönheit des Nationalparks muß man sich erwandern. Die Naturlandschaft des Nationalparks Plitwitzer Seen ist von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt worden. Wie Perlen an einer Kette reihen sich 16 kristallklare Seen aneinander. Stundenlang gehen wir auf schmalen Holzstegen den rauschenden Wasserfällen entlang. Immer darauf vorbereitet nach der nächsten Kurve auf den Apachenhäuptling Winnetou zu treffen. Diese faszinierende Landschaft diente einst als Kulisse für einige berühmte Karl May Verfilmungen und hat mich bereits zu meiner Schulzeit begeistert.
In vielen Dörfern im Hinterland von Kroatien sind die Spuren des Krieges noch sehr deutlich sichtbar. Zerschossene und verlassene Häuser sind mahnende stillen Zeugen der grausamen ethnischen Säuberung die hier durchgeführt wurde.
Über den Mali Halan soll es nun Richtung Zadar gehen. Die Auffahrt zu diesem Schotterpass ist jedoch nicht leicht zu finden. In Rok stehen wir vor einer riesigen Baustelle, ein Tunnel für die neue Autobahn wird gebaut. Mit der Hilfe einiger Bauarbeiter finden wir den richtigen Weg. Dank dem guten Fahrwerk der KTM geht es auch mit Gepäck und Sozia recht flott auf einer zum Teil ausgewaschen groben Schotterpiste zur Passhöhe. Doch selbst hier in dieser abgeschiedenen Bergwelt stoßen wir auf Relikte des Krieges. Ein zerstörter Panzer steht neben der Piste. Einige Karrenwege laden dazu ein die Hauptpiste zu verlassen. Große Schilder weisen jedoch eindringlich darauf hin dies zu unterlassen. In diesem stark umkämpften Gebiet sind noch nicht alle Landminen beseitigt, und ein Abstecher ins Gelände kann fatale Folgen haben.
Bei Pakoštane erreichen wir das Meer. Ohne Probleme finden wir ein Privatzimmer mit wunderbarer Aussicht auf die vorgelagerten Inseln. Nach einer Abkühlung im doch noch recht frischen aber glasklarem Meer lassen wir den Tag bei gegrilltem Tintenfisch und einer Flasche köstlichen Kroatischen Weißweines ausklingen.
Die Küstenstraße Richtung Süden ist ein Paradies für Motorradfahrer. Nach jeder Kurve ein neuer faszinierender Ausblick auf die Kroatische Felsenküste. Mit Trogir erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Reise. Beim Schlendern durch die engen Gassen der Altstadt fühlen wir uns in eine andere Zeit zurück versetzt. Vom Turm der Festung Kamerlengo hat man einen wunderbaren Ausblick auf den mittelalterlichen Stadtkern. Ein Grossteil der prachtvollen Bauten aus dem 13. bis 16. Jahrhundert sind erhalten geblieben.
Eine Autofähre bringt uns von Zadar auf die größte Insel des Archipels von Zadar, Dugi Otok. Die Lange Insel wie ihr Name übersetzt lautet ist 52 km lang aber nur bis zu 4 km breit. Eine asphaltierte Straße durchzieht die Insel von Nord nach Süd. Sehr wenig Verkehr macht das Motorradfahren zu einem richtigen Vergnügen. Unzählige Schotterstraßen zweigen zu kleinen einsamen Buchten ab. Der feinkörnige Quarzsand verleiht dem glasklaren Wasser eine türkisgrüne Farbe, wie es auch in der Karibik nicht schöner sein kann. Lediglich die doch noch sehr kühlen Wassertemperaturen und der angeschwemmte Müll, trüben das Badevergnügen. Im Süden endet die holprige Piste in der Telašćica Bucht. Von hier an geht es in das Archipel der Kornaten nur mehr mit einem Boot weiter. Es wird Zeit, dass sich KTM über die Konstruktion einer schwimmfähigen Enduro Gedanken macht.
Gewitterartige Regenfälle gehen über Sali nieder. Was für die Bewohner von Dugi Otok ein Segen ist (der erste Regen seit 4 Monaten) ist für uns aber der Grund die Insel wieder zu verlassen. Die raue Überfahrt nach Zadar dauert über 2 Stunden und der Regen wird immer stärker. An eine Weiterfahrt entlang der Küste Richtung Norden ist nicht zu denken. Völlig durchnässt gehen wir auf Zimmersuche und sind schlussendlich froh im Kolovare Hotel eine teure aber wenigstens trockene Unterkunft zu finden.
Der Wettergott meint es aber doch noch gut mit uns. Am nächsten Morgen fahren wir bei strahlendem Sonnenschein entlang der Küstenstraße Richtung Norden. Sehr starker und böiger Seitenwind, die Bora zwingt mich jedoch zu einer sehr vorsichtigen Fahrweise.
Die Überfahrt nach Rab dauert nur eine halbe Stunde und so beschließen wir diesen kurzen Abstecher auf die Insel. Unsere Hoffnung auf ein Nachlassen der Bora, und ein paar gemütliche Badetage, erfüllt sich jedoch leider nicht. Es besteht sogar die Gefahr, dass bei stärker werdenden Wind der Fährbetrieb eingestellt wird und wir für einige Tage auf der Insel festsitzen.
Die KTM wird aufgepackt und nach einer kurzen aber stürmischer Überfahrt sind wir wieder am Festland, und es geht noch einmal in die Berge. Von Jablanac aus führt eine kleine Straße in den Sjeverni Velebit National Park. Es muß ein Eintritt bezahlt werden und wir werden eindringlich darauf hingewiesen die befestigten Pisten nicht zu verlassen. Die Anfangs leichte Schotterpiste wird immer gröber und vor der Passhöhe versperrt ein Schneefeld die Weiterfahrt. Doch ein KTM Fahrer lässt sich nicht so leicht von der Weiterfahrt abhalten. Nach einer halben Stunde Schufterei ist die doch fast 200 kg schwere 950er darüber gezogen. Mit einer Höhe von 1676 Metern ist mit dem Zavizan der höchste befahrbare Punkt erreicht. Tief unter uns liegt Rab im tiefblauen Meer. Bevor es wieder Richtung Heimat geht übernachten wir noch ein Mal auf Krk. Bei einigen Gläsern Wein beschließen wir, das war sicherlich nicht unsere letzte Reise nach Kroatien.
Damit die Rückreise nicht zu einer langweiligen Autobahnfahrerei wird, fahren wir über den Seebergsattel und die Soboth in die Steiermark und weiter über das Klippitztörl, Hochrindl, die Turrach und den Tauernpass nach Salzburg aber das ist eine andere Geschichte. |
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| Kroatien hat sich Mittlerweilen von den Wirren des Krieges erholt. An der touristisch erschlossenen Küste sind die Schäden größtenteils bereits behoben. Durch den Bau einer neuen Nord-Süd Autobahn wird versucht, den Tourismus der bereits wieder das Vorkriegsniveau erreicht hat, noch mehr zu beleben. |
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