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ÜBERSICHTWISSENSWERTESMOTORRADFAHREN
Dauer: 3 Wochen
Kilometer: ca. 2.500 km
Text und Fotos: Joe Pichler
Kathmandu ist der Ausgangspunkt unserer Reise zum Dach der Welt Der Linksverkehr und die rücksichtslose Fahrweise der Busse und LKWs in Nepal sind Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Vom tiefsten Punkt der Reise mit 650 Metern geht es jetzt nur mehr bergauf. Eingeschnitten in die steilen Hänge des Himalayas führt ein schmales Asphaltband Richtung Norden. Doch der Monsunregen hat den ohnehin sehr Erdrutsch gefährdeten Friendship Highway von Nepal nach Tibet ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Immer wieder bleiben die überladenen Lastwagen im Schlamm stecken. Diese schlechte Piste ist die einzige Straßenverbindung von Nepal nach Tibet. Am Grenzübergang erwarten uns bereits Sony der Tibetische Führer und unsere Begleitfahrzeug. Durch dichte fast tropische Vegetation vorbei an rauschenden Wasserfällen bis in die karge felsige Landschaft der Eisriesen.
 
Der Ansaugschnorchel an der Airbox wird entfernt und die 950 Adventure höhentauglich gemacht. Trotz dieser Umbauarbeiten werden auf 5000 Meter von den normalerweise 100 PS noch maximal 50 PS überbleiben. Es ist aber immer noch genügend Leistung vorhanden um ordentliche Drifts hinzulegen und mit 150km/h über die Pisten zu sausen. Der Ausblick von der Passhöhe des Tang La ist atemberaubend. Eine Kette von namenlosen Sechs- und Siebentausendern, nur überragt vom 8022 Meter hohen Shisha Pangma Massiv. Mit dem 5120 Meter hohen Tangg La haben wir den Himalaya Hauptkamm überschritten und sind nun im Hochland von Tibet. Am Ufer des Paiku Tso schlagen wir unser Nachtlager auf. Sobald die Sonne untergeht verkriechen wir uns sehr schnell in die Schlafsäcke.
 
Es ist sternenklar und die Temperatur sinkt auf —15 Grad. Die Zelte der Nomaden mit ihren Yakherden prägen das Landschaftsbild. Unsere KTM’s sind natürlich die Attraktion schlechthin. Wo wir auch stehen bleiben sind wir sofort von Menschen umringt. Das Hauptnahrungsmittel ist Tsampa, geröstete Gerste und Bötscha der Yakbuttertee. Dieser Yakbutterte ist jedoch besser als sein Ruf. Schwarzer Tee mit Soda und Yakbutter vermischt, schmeckt er sehr heiß getrunken nicht so schlecht. Nur wenn die Butter etwas ranzig und der Tee bereits etwas kälter ist, das sieht man sehr schön an den Fettaugen in der Teeschale, ist das Getränk für unsere Geschmacksnerven nicht mehr zu empfehlen.
 
Es ist für mich schwer vorstellbar auch im langen kalten Winter in den aus Yakhaaren gewebten Zelten zu leben, Wind und Wetter völlig ausgesetzt. Die Piste nach Drongpa ist in einem perfekten Zustand. Über 150 km/h sind mit der 950er auch auf 4800 Metern Höhe kein Problem. Die letzten 80 Kilometer vor Paryang verschlechtern sich jedoch die Pistenverhältnisse. Tiefe sandige Passagen fordern das Letzte von uns. Verhältnisse wie in der Sahara, nur halt in einer Höhe von über 4500 Meter am Dach der Welt. Als am Nachmittag auch noch ein starker Wind aufkommt sind wir alle froh, die schützenden Mauern der kleinen Ortschaft Paryang zu erreichen. Ab dem 5200 Meter hohen Mayum La wird die Strecke wieder besser und im flotten Tempo erreichen wir Darchen den westlichsten Punkt der Reise.
 
Darchen liegt am Fuße des Kailash ,,dem Schneejuwel’’. Für die Buddhistischen Tibeter das Zentrum des Weltsystems. Der Großteil der Gruppe begibt sich auf die Kora. Die traditionelle Umrundung des heiligen Berges im Uhrzeigersinn. Renate und ich haben bereits 2003 die Kora absolviert. Wir beschließen daher diesmal darauf zu verzichten und mit dem Motorad die Umgebung von Darchen zu erforschen. Kurze Tagesettappen führen uns zu den Klöstern von Gyangdrak und Chuku. Wir genießen die ruhigen Tage in einer der entlegensten Gegenden unserer Erde. Die nächste Etappe zum Manasarowa See ist eine der schönsten für mich. Von einer kleinen Anhöhe aus bietet der tief blaue Manasarowa See mit dem fast 8000 Meter hohen Gurla Matata am Horizont einen unwirklichen und überirdischen Eindruck. Bei Kaiserwetter nehmen wir die Rückfahrt Richtung Osten in Angriff.
 
Die ersten 550 Kilometer bis nach Saga müssen wir leider mangels Alternative die gleiche Piste wie bei der Hinfahrt nehmen. Die ersten Wolken tauchen auf und das Wetter wird so richtig ungemütlich. Leichter Regen setzt ein, und das gerade auf unsere längsten Tagesetappe. Bis nach Lhatse sind es immerhin 300 Kilometer. Der übliche Nachmittagswind vertreibt jedoch die Wolken und wir können unsere Regenklamotten wieder ausziehen. Lhatse die einzig größere Stadt auf unserer Tibetreise erreichen wir am späteren Nachmittag. Sony unser Guide sagt beim Abendessen: Heute müssen wir heute unbedingt eine Karaoke Bar besuchen. Das schumrige Lokal liegt im ersten Stock eines modernen Neubaus. Außer uns sind nur noch einige Chinesische Militärs als Gäste anwesend. Es wird völlig falsch, dafür mit aber mit voller Lautstärke gesungen und Unmengen an Bier getrunken.
 
Abends beginnt es wieder zu regnen, und am nächsten Morgen sind die umliegenden Berge schneebedeckt. Und gerade heute müssen wir den 5220 Meter hohen Gyatso La überqueren, das könnte ein Problem für uns werden. Der Frienship Highway auf den wir uns nun wieder befinden wird jedoch auch von vielen Lastwagen befahren und die Piste ist bereits schneefrei. Nur die Yaks neben der Straße stapfen noch durch den frischen Neuschnee. Unsere Zeit in Tibet geht bereits zu Ende. Doch bevor es zurück nach Nepal geht, darf natürlich ein Abstecher zum Mt. Everest Base Camp nicht fehlen. In Shegar kaufen wir die Eintrittskarten für den Nationalpark und nun liegen 100 Kilometer traumhafte Schotterpiste vor uns. Vom Qomolangma, wie die Tibeter den Everest nennen, ist am Morgen nicht viel zu sehen, dichte Wolken verhüllen den mit 8850 Metern höchsten Berg unserer Erde.
 
Die ersten Sonnenstrahlen lösen jedoch die letzten Wolkenreste auf und die eisige Nordwand steht im Morgenlicht vor uns. Ein überwältigender Anblick. Für die Weiterreise wählen wir die alte selten befahrene Piste direkt nach Tingri. Mit dem Wissen, es ist bereits unser letzter Tag in Tibet, ziehen wir unsere Spuren durch den Sand der Hochwüste. Zwei Tage später sind wir wieder Mitten im chaotischen Straßenverkehr von Kathmandu, ein kleiner Schock nach Wochen der Einsamkeit am Dach der Welt. Tashi Dele.
Kathmandu
Mt. Everest Base Camp
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