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| Text und Fotos: Laerte Mazza Filho |
Aufgrund der tollen Erfahrung im letzten Jahr, entschied ich mich erneut der Route der Rally dos Sertoes zu folgen - auf meiner KTM 950 LC8 Adventure. Aber an dem Morgen, als ich die Heimat in Rio de Janeiro auf meinem Motorrad verlies, hätte ich niemals gedacht auf welch verrücktes Motorrad-Abenteuer ich mich für die nächsten Tage einlassen würde.
Zusammen mit meinem Freund Tony, welcher ebenfalls auf seiner orangen LC8 unterwegs war, fuhren wir Richtung Norden, ins 1.300 km entfernte Goiania - in diesem Jahr die Abfahrtsstadt der 13. Rally dos Sertoes. Das Rennen ist dieses Jahr eine Etappe der World Cross Country Rally Championship. Wir hielten uns immer von den Hauptstraßen fern und fuhren so die ersten 700 km nach Sao Roques de Minas, an der Grenze zum Nationalpark Serra da Canastra. Dies ist einer der schönsten Nationalparks in Brasilien. Den nächsten Morgen verbrachten wir damit, den Park zu erkunden. Ein langer Ausflug führte uns an den oberen Teil von einem der höchsten Wasserfälle in Brasilien. Außerdem schauten wir uns die Stelle an, an der der Fluß Sao Francisco entspringt und seine Reise durch fünf brasilianische Bundesstaaten beginnt, bevor er 5.500 km von hier in den Atlantischen Ozean mündet. Nach einer 110 km Geländefahrt durch den Park, endeten wir diesen langen Tag in Goiania, wo das Abenteuer der Rally am nächsten Tag beginnen sollte.
Dort trafen wir auf drei unserer Freunde, welche mit uns gemeinsam die Tour fahren würden, alle auf KTM 950 LC8 Motorrädern. Wir wechselten unsere OEM Reifen für Knobbies, sahen uns die Einführungsrunde des Wettrennens an, trafen unsere Freunde und andere Fahrer und trafen letzte Vorbereitungen für das nun bald beginnende 11 Tage-Rennen.
Die 600 km des nächsten Tages waren eine Mischung aus Teer- und Schotterstraßen, woran wir jede Menge Spaß hatten. Die Tour führte uns nach Aruana (genauso wie die erste Etappe im letzten Jahr). Dort hatten wir noch genügend Zeit uns kleine Motorboote auszuleihen, um auf dem Fluß Araguaia einen der schönsten Sonnenuntergänge den ich jemals gesehen habe zu beobachten.
Die folgende Etappe der Rally führte nach Norden, parallel zum Fluß entlang. Wir fuhren durch den Bundesstaat Mato Grosso; eine Region wo es riesige Sojabohnen und Rinderfarmen, aber nur wenige Durchfahrtsstraßen, gibt. Wenn man sich die Karte anschaute, gab es nur eine Straße der man folgen konnte, um die nächste Stadt Sao Felix do Araguaia zu erreichen. Alle Fahrzeuge sollten dieser Route folgen - Motorräder, Quads, Autos, Lkws, Service Fahrzeuge etc.
Als ich mir die Straßenkarte noch etwas genauer anschaute, bemerkte ich eine kleine ungeteerte Straße auf der anderen Seite des Flusses (im Osten), welche zuerst Richtung Norden und dann westlich nach Sao Felix führte. In einer kleinen Fußnote fand ich den Hinweis, dass diese Route nur zwischen Juli und Oktober, während der Trockenperiode, befahren werden sollte. Denn dann ist es möglich die vielen Flüssen, die auf dem Wege lagen, zu durchfahren. Weiterhin wurde erwähnt, dass diese Straße durch indianisches Territorium führte und eine spezielle Erlaubnis für das Durchqueren dieses Landstückes erforderlich ist. Ich rief die Telefonnummer auf der Karte an und die Person am anderen Ende meldete sich als der örtliche Funai Beamte (Staatliche Regierugnsstelle, welche sich um die Angelegenheiten der Indianer kümmert). Er erklärte mir, dass ein solcher Pass nicht mehr benötigt würde, aber dass wir mit den Indianern den Zoll selber aushandeln müssten. Er erwähnte des Weiteren, dass ihm nicht bekannt war, dass jemand die Straße in diesem Jahr schon einmal befahren hätte.
Die Straße überquerte den Ilha do Bananal, mit 20.000.000 ha die größte Flußinsel der Welt. Das gesamte Land der Insel ist ein Nationalpark und die Hälfte davon ist Indianisches Territorium. Ein Teil davon wurde von Weißen mit Rinderfarmen genutzt, aber in den 90ern wurden diese Familien von der brasilianischen Regierung von der Insel in andere Teile des Landes umgesiedelt um den ursprünglichen Einwohnern, den Karajas, Javaes und Xambioas Indianern ihr Land zurückzugeben. Heutzutage leben 14 verschiedene Stämme hier und diese haben viele ihrer ursprünglichen Sitten und Sprachen beibehalten. Die indianischen Frauen haben einen sich von den Männern unterscheidenden Dialekt. Diese können nicht verstehen, was die Frauen sagen. Zwei Drittel der Insel wird während der Regenzeit überschwemmt. Die Fauna ist sehr Artenreich, es gibt Jaguare, Tapire, Wölfe, Rehe, Otter, Aligatoren und viele andere. In einigen der Flüsse tummeln sich die kanibalischen Piranhas.
Ich erzählte meine Freunden, was ich gerade erfahren hatte und fragte sie, ob sie dieser unbekannten Route gern folgen würden. Gemeinsam entschieden wir uns dafür, ich glaube, dass der Satz („niemand hat die Route bisher in diesem Jahr befahren“) hatte viel mit dieser Entscheidung zu tun… Großer Fehler?! Das würden wir bald herausfinden…
Und so fuhren wir los. Bevor wir die Insel erreichen sollten, mussten wir eine 350 km lange Strecke befahren, meist auf geteerten Straßen. Als wir die letzte Stadt, vor der ungeteerten Straße erreichten, hielten wir an, um Mittag zu essen und zu tanken. Als wir in einer Bäckerei unsere Sandwiches aßen, fragte uns der Besitzer, was uns in die Gegend treibt und wir erklärten ihm unsere Pläne. Er sagte, dass er jemanden kennen würde, der die Fahrt erst kürzlich auf einem Motorrad unternommen hätte. Er rief ihn an und wir besuchten ihn in seinem Büro, welches zwei Blocks entfernt lag. Dort gab er uns eine Karte mit einigen wichtigen Eckpunkten, die für die Überquerung der Insel interessant sein würden. Er erzählte uns, dass er die Fahrt einige Wochen eher mit ein paar Freunden unternommen hatte, und daß er nicht der auf der Straße gefahren wäre, sondern auf einem 110 km Pfad, welcher die Insel im Nordwesten kreuzt. Wir fragten ihn, ob wir den Pfad mit unseren großen Motorrädern befahren könnten und er antwortete, daß das einzige Problem die Flußdurchquerungen wären. Er sagte, dass es ihn fünf Stunden gekostet hätte, die Insel zu überqueren. Es war jetzt fast 14.00 Uhr und so waren wir nicht über die Zeit besorgt. Wir programmierten unsere GPS mit den fünf Hauptwegepunkten und fuhren los.
Nach den ersten 40 km entlang der Schotterstraße trafen wir den Rio Javaes, die eigentlichen Entzweiung des Araguaia Flusses, welcher die Insel formt. Es ist 150 m breit und wir hielten unsere Motorräder an, um den Fluß zu Fuß zu durchqueren um die Wassertiefe zu ermitteln. Nachdem ich bis zur Mitte des Flusses gelaufen war, entschied ich mich, dass er flach genug war, um mit dem Motorrad zum Ufer auf der anderen Seite zu fahren. Alles lief wie am Schnürchen, als plötzlich das Hinterrad in ein Loch auf dem Boden des Flußbettes einsank und das Motorrad fast komplett vom Wasser verschlungen wurde. Mithilfe meiner Freunde schoben wir das Motorrad auf die andere Seite des Flusses und dann schoben wir die restlichen Motorräder, eines nach dem anderen, mit ausgeschalteten Motoren durch den Fluß.
Der Zustand meines Motorrades sah nicht sehr vielversprechend aus, auch wenn ich den Motor noch kurz vor dem Untertauchen ausgeschaltet bekam. Mit ziemlich großer Warscheinlichkeit hatte das Wasser die Zuführungsleitungen zum Motor beschädigt. Mit Hilfe meiner Freunde Dener und Waldyr begannen wir das Motorrad auseinanderzubauen, um die Situation besser beurteilen zu können. Zuerst entfernten wir die Zündkerze des hinteren Zylinders - sie war voll mit Wasser. Wir öffneten die Schrauben vom Auspuff und eine Menge Wasser kam herausgelaufen. Nachdem wir die Zündkerze des vorderen Zylinders herausnahmen, war es uns möglich das hintere Rad zu drehen und die Bewegung des Motors schob das Wasser aus den Kammern heraus. Zu der Zeit wurde mir klar, dass der Motor in Ordnung war (gottseidank!!!) und nach einiger Zeit konnte ich wieder den süßen Klang des Akrapovics hören. Es war zauberhafte Musik! Wäre es nicht für das mechanische Fachwissen von Dener gewesen, hätte diese Geschichte vielleicht ein anderes Ende erfahren. Vielen Dank nocheinmal, mein Freund!
Wir brauchten mehr als zwei Stunden um wieder in Fahrt zu kommen. Es war nun 16.30 Uhr und wir waren noch am Anfang. Als wir unsere Fahrt fortsetzten, war es schwer auf dem Untergrund zu befahren, wegen der fortlaufenden Überschwemmungen und der Nutzung als Rinderfarmland. Es gab keinen eindeutigen Pfad, dem man folgen könnte. Um den ersten Wegepunkt zu erreichen, versuchten wir in die Richtung zu fahren, die uns der GPS Pfeil wies. Es gab viele verschiedene Wege, den man hätte folgen können, aber keiner von denen ging in unsere Richtung. Es gab ebenfalls keine sichtbaren Hinweise, wenn man 360 ° um sich blickte, sah man nur Felder und grüne Vegitation in Taillenhöhe. So entschieden wir uns den ersten Wegepunkt zu überspringen und starteten auf die Suche nach dem Zweiten, aber wie schon vorher gab es keinen sichtbaren Weg, dem man hätte folgen können. Wir entschieden uns dazu ein Feld zu durchqueren um der angegebenen Richtung zu folgen, aber sehr oft trafen wir auf Schlammlöcher, Wurzeln, Wald und anderen Hindernissen, welche wir überwinden oder eine Umleitung finden mussten, nur damit wir in der richtigen Richtung weiterfahren konnten.
Nach einiger Zeit erreichten wir endlich den zweiten Wegepunkt. Die Sonne begann zu sinken und der Himmel war in viele unterschiedliche Farben getaucht. Unsere Camelbacks waren leer und wir waren müde, das Fahren wurde anstrengend. Die Umgebung veränderte sich von einem einzigen Rinderherden Pfad zu tiefen weißem Sand und schließlich zu Regenwald. Dadurch, daß hier die Bäume so hoch und blickdicht waren, war es hier sogar tagsüber dunkel. Viele von uns fielen mehrmals vom Motorrad. Wir nahmen den dritten Wegepunkt in Angriff und wie zuvor gab es keinen Weg dorthin.
Es war bereits Nacht, als wir ihn erreichten. Ich habe noch nie etwas Derartiges gesehen. Der Himmel war so dunkel und so klar, dass wir Millionen und Milliarden von Sternen sehen konnten, eine wunderschöne Ansicht. Wir suchten nach markierten Wegen und verloren dabei kostbare Zeit und Benzin. Die Reservelichter einiger Motorräder blinkten bereits und so enschieden wir uns den GPS auf die andere Seite der Insel einzustellen, unserem Ziel, und dem Pfeil zu folgen. Manchmal führte uns der Pfad durch Savannengebiete und wir mussten umkehren, da der Weg nicht weiterführte. Ein andermal fuhren wir durch Wälder und wir mussten uns zwischen verschiedenen engen Pfaden entscheiden, viele von ihnen waren allerdings Sackgassen. Dies war Niemandsland und es war Stunden her, als wir die letzten Menschen zu Gesicht bekommen hatten.
Wir fuhren an einigen verlassenen Farmruinen vorüber und an diesen Plätzen gab es noch mehr Wege, die uns des Nächtens durcheinander brachten. Einer der schlimmsten Momente war, als wir an einer dieser verlassenen Farmen ankamen und hier auch der Weg endete. Danach gab es nurnoch einen großen Fluss und es gab keinen Weg um weiterzufahren. Wir schalteten die Motoren aus und die zig Millionen Insekten, die vom Motorradlicht angezogen worden waren, stürzten sich auf uns. Sie versuchten in unsere Sachen und Helme zu gelangen, es war die totale Verzweiflung. Wir mussten zurück um einen anderen Weg zu finden, um von diesem Ort wegzukommen.
Nach einiger Zeit auf der Suche nach einem Weg, dachte ich, dass ich ein kleines Licht in der Ferne entdeckt hätte. Ich fragte meine Freunde ob sie es ebenfalls gesehen hätten, aber niemand hatte. Hatte ich Halluzinationen? Egal, es war in der Richtung von Sao Felix und ich entschied mich ihm zu folgen. Als wir näher kamen war es wirklich ein kleines Kerzenlicht in einem kleinen Haus, welches nicht verlassen aussah, wie die anderen, die wir gesehen hatten. Angestrahlt vom Licht unserer Motorräder sahen wir die Silhouette eines Mannes auf einer Holzbank vor dem Haus, aber sie war komplett unbeweglich. Wir stellten unsere Motoren aus und begannen ihm etwas zuzurufen, ohne eine Antwort zu erhalten. Einer von uns begann in seine Richtung zu laufen und als er nur noch ein paar Schritte von dem Mann (es war ein Mann) entfernt war, fing dieser plötzlich an zu schreien. Es schien als wären wir Aliens, die ihn entführen wollten! Nachdem er sich beruhigt hatte, erklärten wir ihm, was wir hier taten. Sein Name war Francisco, er hatte bereits sein ganzes Leben hier verbracht, seine Ehefrau war vor ein paar Monaten gestorben und er trug sich mit dem Gedanken die Insel zu verlassen, da es ihm nicht mehr erlaubt war Kühe zu halten. Er bot uns frisches Wasser an und einen Schlafplatz (es war 23.30 Uhr), aber wir entschieden uns dazu weiterzufahren. Er gab uns einige Tipps für die Route - als wir sagten, dass wir nach Sao Felix fuhren, antwortete er uns, das dies eine Zweitagesreise wäre - also fuhren wir. Das GPS zeigte uns noch 50 km bis zur Fähre an, welche den Araguaia Fluß überquerte, am Ende der ungeteerten Straße, welche wir zuerst fahren wollten.
Wie Mr. Francisco gesagt hatte, trafen wir wenige Kilometer nach seinem Haus auf einen Fluß. Um weitere Probleme zu vermeiden, verbrachten wir einige Zeit damit, die beste Möglichkeit einer Durchquerung zu suchen. Jedes Motorrad wurde von vier Personen geschoben, um das Risiko des Eintauchens ins Wasser zu vermeiden. Am anderen Ufer sahen wir einige Motorradspuren und Pferdeabdrücke, welche uns die Gewissheit gaben, endlich auf dem richtigen Weg zu sein. Nachdem wir abermals schwieriges Gelände durchquert hatten, erreichten wir einen weiteren Fluß. Dieser war tiefer und schlammiger als der andere. Es kostete uns wiederum den ganzen Einsatz, um die Motorräder auf die andere Seite zu bekommen. Waldyr sah die roten Augen eines Alligators in der Nacht leuchten, während wir uns im Fluss befanden.
Als wir die andere Seite der Insel erreichten, wurden die Pfade ein wenig eindeutiger, aber dennoch verloren wir oft den Hauptweg, manchmal nahmen wir Parallele Pfade, welche auf den Hauptpfad zurückführten, und manchmal mussten wir zurückfahren um den richtigen Weg zu suchen. Wir fuhren an einigen Farmen vorbei, auf denen noch Leute lebten und ein Mann mit einem Batterielicht hörte die Motorräder in der Nacht und kam uns zu Hilfe, um uns den Weg zu zeigen. Wir erreichten den vierten Wegepunkt.
Als wir noch 4 km von der Fährstation entfernt waren, war das Benzin in einem der Motorräder alle. Es war 2.00 Uhr. Wir konnten in der Ferne die Lichter von Sao Felix auf der anderen Seite des großen Flusses erkennen. Waldyr, Dener und Bob blieben hier, während ich und Tony uns auf den Weg machten, um zu versuchen in der Stadt etwas Benzin aufzutreiben. Wir fuhren die restlichen 4 km des Weges und wir erreichten die vermeindtliche Fährstation, eine große Täuschung. Wir sahen eine Rampe, welche zum Fluß führte, ein verlassenes Haus und ein Fährboot auf der Seite liegend auf dem Trockenen. In dem Moment traf mich all die Erschöpfung dieses anstrengenden Tages: Mein ganzer Körper tat weh, ich war hungrig, durstig, brauchte dringend eine Ruhezeit… Es war offensichtlich - wenn niemand diese Straße nutzte, warum sollte dann hier eine Fährverbindung aufrecht erhalten werden?
Da unsere Motorräder ebenfalls kaum noch Benzin hatten, entschieden wir uns dafür einfach weiterzufahren und uns überraschen zu lassen, ob wir auf jemanden oder etwas auf dem Weg trafen. Nach etwa einem Kilometer sahen wir ein kleines Haus mit einer Lampe vor der Tür. Jemand, der die Motorräder gehört hatte, kam aus dem Haus. Er sprach mit fremdem Akzent. Als er näher kam, erkannte ich, dass es ein Indianer war. Er war sehr nett zu uns und bot uns Essen und einen Platz zum schlafen in seinem Haus an. Wir erläuterten unsere Situation und er erzählte, dass er ebenfalls ein Motorrad besäße und er gern bereit wäre uns zu helfen, indem er Benzin von seinem Motorrad in unseres füllte. Als wir uns mit ihm unterhielten, sah ich, dass sein Körper komplett mit Zeichen seines Stammes bemalt war. Wir füllten jeh einen Liter in jedes unserer Motorräder und ich packte eine Zweiliterflasche in meinen Rucksack. Damit fuhren wir zurück zu unseren Freunden. Die waren überrascht, wie schnell wir zurückgekehrt waren. Wir füllten ein wenig Benzin in jedes der Motorräder und fuhren zurück zum Haus von Uiraru. Er erzählte uns, er wäre der Anführer seines Stammes. In der Vergangenheit wurde man Anführer aufgrund von Familienzugehörigkeiten, heutzutage werden Anführer in einer Wahl gewählt. Er war ein Nachfahre von einer Linie von Stammesanführern, doch er wurde ebenfalls gewählt. Er hat sein Haus innerhalb des Stammes und ebenfalls dies Haus, in dem wir uns befanden. Danke für alles, mein Freund Uiraru!
Es war nun 3.30 Uhr und wir waren gerade dabei unsere Sachen auszuziehen, um hier zu übernachten, als er sagte, dass er das Geräusch des Fährbootes ausmachen konnte. Dieses war etwa einen halben Kilometer von seinem Haus entfernt. Wir beeilten uns zu der Stelle zu gelangen und der Fährmann erklärte uns, dass die Fähre eigentlich um 22.00 Uhr den Verkehr einstellt, aber daß er von jemand auf der anderen Seite beauftragt worden war, hier jemanden abzuholen. Später fanden wir heraus, dass es Geraldo Lima, Jean Azevedo’s Mechaniker (dem Sieger des Rennens) war, welcher sich ebenfalls entschieden hatte, denselben Weg wie wir zu fahren (über die Straße). Er blieb mit seinem Wagen in einem Fluß stecken und kam nur mit der Hilfe von Indianern wieder weiter. Er nutzte sein Satelittentelefon um die Rennleitung zu informieren.
Wir vereinbarten mit dem Bootsführer, uns auf die andere Seite zu befördern. Er wollte eine Menge Geld von uns (R$ 100,00), aber in diesem Moment kam uns das wie das Schnäppchen des Jahres vor. Die Fahrt dauerte fast vierzig Minuten; wir schliefen innerhalb weniger Minuten ein. Bevor ich meine Augen schloß, während ich auf dem Boden des Bootes in der Mitte des weiten und wilden Flusses lag, sah ich mir den wunderschönen Himmel an und fragte mich, wie so viele Dinge innerhalb der letzten Stunden passieren konnten und wie glücklich ich doch war in dieser Minute hier zu sein.
Aber die lange Nacht war noch lange nitch vorbei… Als wir am anderen Ufer angekommen waren, erreichten wir Sao Felix do Araguaia. Doch auf dem 1 km Stück, welches uns zur Tankstelle führte, war das Benzin bei drei Motorrädern zu Ende. Wir bekamen Hilfe von einem Mitarbeiter des Rally Teams, ein Mann mit einem langen Pferdeschwanz. Er war bereits auf dem Weg zur nächsten Etappe, aber er nahm einen von uns mit zur Tankstelle und zurück zu den Motorrädern. Unser Freund mit dem Pferdeschwanz half uns des weiteren, indem er uns zu dem Platz mitnahm, wo er geschlafen hatte, ein Familienhaus mit einigen Zimmern zur Vermietung. Seine Kollegen waren gerade dabei loszufahren und er sagte uns deren „noch warmen“ Betten für ein paar Stunden zu nutzen und alles weitere mit den Besitzern bei unserer Abfahrt zu klären.
Die Unterkunft war schrecklich, schmutzig und die Wände und Decken waren voller Löcher. Die Leute hier kennen definitiv das Wort Hygiene nicht. Egal, in unserer Situation kam uns diese Möglichkeit uns hinzulegen, nach allem was wir durchgemacht hatten, wie ein Fünf-Sterne-Hotel vor.
Wir weckten um 11.00 Uhr mit schmerzenden Gliedmaßen auf. Der nächste Stop war eine Stadt 700 km entfernt. Wir folgten der Hauptstraße (Schotter) und kamen dort um 23.00 Uhr an. Nach noch einer 700 km-Fahrt an einem weiteren langen Tag war das Abenteuer in diesem Jahr zu Ende. Wir verließen die Rallykaravane, luden unsere Motorräder in einen LKW und flogen zurück nach Rio de Janeiro und Sao Paulo.
Wiedereinmal hat sich die 950 LC8 Adventure als ein wahres Abenteuer Motorrad bewiesen. Weitere 3.600 km einer ausgesprochen fordernden Tour gehen auf unsere Kilometerzähler und eine Menge neuer Erfahrungen und Geschichten zum erzählen… Ich kann es kaum bis zum nächsten Jahr abwarten!!! |
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